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Seite 285 Kommentar

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Image © Hildesheim, St Godehard
Psalm: 105
Ikonographie: Im Gegensatz zu allen anderen Initialen ist diese auf einem extra Blatt gemalt und auf eine leere Stelle geklebt. Die Hand dieses Künstlers läßt sich nirgendwo anders im Psalter erkennen. Die Rotschrift, ein Hexameter, stammt, hier zum einzigen Male, nicht aus dem Psalm selbst. Wir flehen Dich an, errette deine Mönche, o gütiger Jesus. Christus in Blau steht in einem himmlischen Teil der Initiale und berührt eine Nonne, wahrscheinlich Christina. Sie und vier andere Mönche befinden sich in einer grünen, irdischen Zone. Durch ihre Vermittlung kann Christina Christus direkt erreichen. Einer der Mönche legt seine Hand auf Christinas Schulter und weist auf Christus mit einer ähnlichen Geste wie Christina. Die sanfte Milde dieser Komposition findet sich noch stärker betont in der Höllenfahrt Christi auf Seite 49 wieder. Dort streckt Christus seine Hand aud und ergreift die ausgestreckt Hand Adams. Adams linke Hand ist im Ellbogen leicht gebeugt. Hinter ihm lehnt sich Eva an den gebeugten Arm und weist mit der anderen Hand nach vorne, wie hier der Mönch hinter Christina. In beiden Fällen flehen die zusammen gedrängten Figuren hinter den Hauptpersonen um Erlösung.
Kunst: Verglichen mit dem robusten und schwungvollen Stil des 1. Künstlers zeichnet sich dieses Bild durch eine nervöse Sensibilität sowohl in der Vorlage, als auch in der Übermalung aus. Die Nasenprofile haben einen charakteristischen Buckel am Nasenrücken und leichte Stupsnasen. Die Schattierung der Gesichter ist zart und sorgfältig. Statt der auffälligen gestreiften Kleidung fallen die Gewänder in weicheren Falten und haben einen Glanz mit feinen weißen Hervorhebungen. Der Flicken geht fast ohne Rand in die Seite über. Dazu mußten die Ränder des Flickens verjüngt und dann poliert werden. Direkt neben dem Flicken ist die Seite so abgeschabt, daß sie nur noch sehr dünn ist (im Gegenlicht zu sehen). Durch diese Schaben und Polieren sind die Buchstaben iustitiam in omne sehr abgeschürft und wurden leicht nachgeschrieben. Im Gegensatz zu allen anderen Rotschriften ist diese auf linierten Zeilen geschrieben. Die Initiale wurde außerhalb des Psalters gemalt und getrocknet und die Rotschrift wurde erst vom ersten Schreiber hinzugefügt, nachdem das Bild eingeklebt war. Die ätzende, grüne Tinte der Wörter parce, quaeso und clementina ist durch zwei Seiten auf Seite 286 durchgesickert. Das ist nich der Fall mit Christinas grünem Mantel und dem Hintergrund. Es lohnt sich, das Durchsickern der nassen Farbe auf Seite 289 mit dem Durchsickern der grünen Tine, z.B. auf Seite 148, zu vergleichen .
Faden-einstichstellen:
Historische Bedeutung: Dies Abbildung kann auf vier verschieden Ebenen interpretiert werden. Zu sehen ist eine Frau, die einige Mönche hin zu Christus führt (Haney, 2002,572). Aber im historischen Kontext gesehen ist es wahrscheinlich, daß es sich hier um Christina handelt. Es ist möglich, daß sie einfach für die Mönche von St. Alban Fürsprache einlegt, wie es in der Glosse angedeutet ist. Nach ihrem ersten Treffen mit Geoffrey bat er nur 'um ihre Fürsprache vor Gott' (Talbot, 1998, 139). Sie wurde als Fürsprechering von gleichem Range wie St. Alban selbs angesehen. "Wie unser gesegneter Schutzherr St Alban sie vom Herrn erhielt als Mithelfer im Bau der Kirche und der Gemeinde auf Erden, so erhielt er sie später als Teilhaberin seiner ewigen Freuden im Himmel.' (Talbot, 1998,127). Andererseits könnte sie auch mehrere Mönche ins Klosterleben einführen: 'Es gab in unserer Gemienschaft einige Seelen, die ihr teurer waren als die aus anderen Klöstern, unter denen schulden ihr mehrere ihre klösterliche Berufung.' (Talbot, 1987, 127). Die vierte Möglichkeit ist eher von persönlicher Natur. Christina dient Geoffrey als Brücke zu Christus. Er betet zu Christina und sie betet zu Christus. (GA 1, 104). In einer Vision gab Geoffrey ihr 'ein Zeichen mit seinen Augen und seinem Kopf, und er bat sie unterwürfig ihn den Personen, die ihr zur Seite in der göttlichen Anwesenheit stehen, vorzustellen' (Talbot, 1987, 157).
Lage: 16


 

 

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